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küche 12 - 14 / 1830 - 22
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kleine Karte bis 1730
abendessen 1830 - 22

30.05
Der Ziegel
Am Zürichsee gibt's einige schöne Beizen. Der Ziegel kann's mit allen aufnehmen, auch wenn andere chiceres Mobiliar und servileres Personal haben mögen...

Gelegen im altehrwürdigen industrialen Gemäuer einer weit über hundertjährigen Seidenweberei aus roten Ziegeln, direkt am See und mit gelegentlicher Sicht auf die Alpen gibt die Entourage erlebnismässig schon noch einiges her und stellt die anderen, exklusiveren "au Lacs" unserer Stadt punkto Lage und Ambiance doch glatt in den Schatten.

Der Ziegel oh Lac ist seit 30 Jahren ständiger Treffpunkt des alternativen Kulturzentrums Rote Fabrik. Das Restaurant funktioniert als Kollektiv und rühmt sich vor allem seiner vorzüglichen und preiswerten Küche. Auch VegetarierInnen oder veganem Essen zugeneigte Personen kommen hier zuverlässig mit inspirierten Kreationen auf ihre Kosten . Das meiste, was in den Töpfen landet ist biologisch und auch das Angebot an Bio-Weinen, -Bieren etc. ist recht ansehnlich. Die Preise sind für Zürich-Verhältnisse eigentlich moderat - das Essen ist eher günstig bei hoher Qualität, der Rest kostet gelegentlich gleich viel wie sonstwo.

In sonnigen Stosszeiten kann es durchaus mal zu ganz realsozialistischen Kolonnenbildungen und Wartezeiten kommen - auch wenn dieser Umstand oft mit unserer politischen Gesinnung in Zusammenhang gebracht wird, ist diese Situation in Gartenrestaurants direkt am See nicht wirklich ungewöhnlich...

Struktur & Philosophie des basisdemokratischen Modells
Wir führen diese Beiz als unabhängige GenossInnenschaft . Der Ziegel wird nicht subventioniert und profitiert lediglich von den günstigen Mieten auf dem Areal. Zusätzlich zur Miete leisten wir Abgaben an den Kulturbetrieb der IG Rote Fabrik, welche sich nebst Fixabgabe nach den Umsätzen an den Veranstaltungs-Bars bemessen.

Wir achten darauf, dass die Produkte, die wir verkaufen und verarbeiten hochwertig sind, nach Möglichkeit aus kleinen Betrieben stammen und unter würdigen Bedingungen produziert werden. In der Küche werden zum grössten Teil biologische Waren zubereitet und auf Fertigprodukte wird verzichtet. Bei diesem Anspruch ist der Einkauf selbstredend nicht der billigst Mögliche. Wir legen in unserer Preispolitik wert darauf, unsere Gerichte dennoch zu fairen Preisen anbieten zu können.

Das Kollektiv, also wir 40-65 Leute, fällt alle wesentlichen Entscheidungen in der Gesamtsitzung. Es verdienen alle gleich viel und alle sind gleichberechtigt, ungeachtet dessen, ob sie nur gerade ihren Job versehen oder sich massgeblich für Administration oder Planung in unserem Betrieb einsetzen. TellerwäscherInnen oder Aushilfen auf Abruf gibt es somit bei uns keine (was unsere nicht grenzenlose Flexibilität bei Grossansturm ein bisschen erklärt). Wir verdienen übrigens für's Gastgewerbe trotz brandbedingter Lohnkürzung noch einigermassen angenehm, für ein Leben entlang der Prekariatsgrenze reichen mit etwas Glück 30 Wochen-Stunden, was den vielfältigen andersweitigen Verpflichtungen der Belegschaft in Sachen Kinder, Kunst, Klavier, Keramik, Konzertorganisation, Kontrabassspielen, Klaustrophobie etc. sehr entgegenkommt.

Das Kollektiv ist sich regelmässig einig, vernünftige Sozialleistungen zu gewähren. So sind wir in Sachen Mutter- / Vaterschaftsregelungen dem Rest der Branche seit Jahren um Jahrzehnte voraus...

Dass die Solidarität walten kann, hat sich auch in schwierigen Zeiten immer als eigentliches Lebenselixier für das Kollektiv erwiesen. Wenn immer möglich macht diese Solidarität nicht vor den Toren der Roten Fabrik halt. Der Ziegel oh Lac unterstützt nach Kräften ähnlich geartete Kooperativen oder sinnvolle humantäre Projekte in aller Welt - doch zusehends geht uns diesbezüglich der finanzielle Schnauf etwas aus. Das ist schade.

Aber das - bitte, das ist doch einfach nur schön hier.
Es ist zweifellos ein Privileg, an diesem Ort zu erschwinglichem Preis an schönster Lage wirten zu dürfen, mit drei imposanten Bäumen in der Gartenbeiz und inmitten eines anregend vielfältigen kulturellen Umfelds... in ungezwungener Atmosphäre und ohne die kollektiv-typische Selbstausbeutung forcieren zu müssen.

Wir wissen es wirklich zu schätzen, dass uns das Glück mit diesem Plätzchen am See so hold gesinnt ist...